Vorträge mit KI sichern
Ein Beitrag von Katharina Stertzenbach
Unter dem Motto „Under Pressure“ brachte das University:Future Festival im Juni Hochschulangehörige, Studierende, Forschende sowie Akteure aus Politik und Gesellschaft zusammen, um über die Gegenwart und Zukunft der Hochschulen zu diskutieren. An sieben Veranstaltungsorten im deutschsprachigen Raum und auf 21 digitalen Bühnen fanden innerhalb von drei Tagen mehr als 300 Sessions statt. Diese Vielfalt macht den Reiz des Festivals aus, stellt die Teilnehmenden aber auch vor Herausforderungen: Welche Sessions sind besonders relevant? Und wie lassen sich die Inhalte der zahlreichen Vorträge und Diskussionen nachhaltig sichern und später wiederfinden?
Eine Antwort darauf liefert der SummarAIzer. Das Tool erstellt mithilfe Künstlicher Intelligenz strukturierte Zusammenfassungen der Festivalbeiträge und macht deren Inhalte langfristig nutzbar. Entwickelt wurde der SummarAIzer – ebenso wie der SessionAIzer zur persönlichen Programmplanung vorab – vom Institut für Interaktive Systeme (ISy) der Technischen Hochschule Lübeck in enger Zusammenarbeit mit dem Organisationsteam des Festivals. „Erkenntnisse aus Präsenzveranstaltungen gehen häufig verloren oder sind später nur schwer wiederzufinden“, erläutert Dr. Tina John, Mitentwicklerin des SummarAIzers und Mitarbeiterin am ISy. „Ziel war es deshalb, die Inhalte der einzelnen Beiträge nachhaltig zu dokumentieren und allen Interessierten zugänglich zu machen.“
Die KI verarbeitet dafür die aufgezeichneten Audiospuren, automatisch erzeugte Transkripte sowie Präsentationsfolien oder Handouts der Speaker:innen. Daraus entsteht eine einheitlich strukturierte Zusammenfassung: Es geht um den Kontext der Session, die wichtigsten Inhalte und die zentralen Erkenntnisse in einem Fazit. Ergänzend erstellt die KI visuelle Elemente wie Diagramme, Wortwolken oder Mindmaps. Auch relevante Fragen und die entsprechenden Antworten fasst die KI zusammen.
Trotz des KI-Einsatzes bleibt der Mensch ein wichtiger Bestandteil des Prozesses. Das Team überprüft Zuordnungen und schaut sich die Zusammenfassungen an, die Referierenden können die Inhalte darüber hinaus bearbeiten. Solange eine Seite im SummarIzer Inhalte enthält, die vollständig von einer KI generiert und nicht von Menschen redaktionell überarbeitet wurden, wird dies transparent gekennzeichnet.
Zur Person
Dr. Tina John
Tina John ist Full-Stack-Entwicklerin und Schnittstellenkoordinatorin am Institut für interaktive Systeme der Technischen Hochschule Lübeck und arbeitet an der Schnittstelle von Technik und digitaler Lehre.
Beim University:Future Festival ist sie nicht nur im Einsatz mit dem Tool, sondern auch selbst regelmäßig als Speakerin aktiv und teilt dort ihre Perspektiven auf digitale Innovationen in der Bildung und darüber hinaus.
Inhalte flexibel nachnutzen
Der SummarAIzer soll so neue Möglichkeiten eröffnen, die Inhalte des Festivals zu nutzen – sowohl für Teilnehmende als auch für Interessierte, die Sessions verpasst haben. John beschreibt dies anhand ihrer eigenen Erfahrung: „Ich war vor Ort auf dem U:FF in Berlin und habe die digitalen Vorträge nicht verfolgt. Wenn man auf dem Festival ist, möchte man die Atmosphäre erleben und mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen. Die digitalen Sessions habe ich deshalb verpasst – kann sie jetzt aber im Nachgang über die Volltextsuche im SummarAIzer finden und die Zusammenfassungen lesen.
Damit ergänzt der SummarAIzer die bereits verfügbaren Videoaufzeichnungen um einen niedrigschwelligen Zugang zu den Inhalten. Statt lange Videos durchsuchen zu müssen, erhalten Interessierte einen schnellen Überblick und können gezielt entscheiden, welche Sessions sie anschließend vertiefen möchten.
KI ergänzt das Festivalerlebnis
Die Zusammenfassungen im SummarAIzer stehen der Community als Open Educational Resources (OER) zur Verfügung. „Das beim Festival entstandene Wissen bleibt damit nicht auf die Veranstaltung beschränkt“, sagt Dr. Tina John. „Es kann langfristig genutzt, geteilt und in Lehre, Studium sowie in weiteren Projekten weiterverwendet werden.“
Zum Autor
Katharina Stertzenbach
Kommunikationsmanagerin
Katharina Stertzenbach ist Kommunikationsmanagerin in der Stiftung Innovation der Hochschullehre.