Fünf Transfer-Fragen: Transferkarten als Instrument zur Verankerung
Ein Beitrag von Raika Selle
Wie würden Sie Ihre Maßnahme in einem Satz beschreiben?
Mit dem Format der Transferkarten werden didaktische Konzepte, Tools und Methoden kompakt und niedrigschwellig auf einem DIN A4-Blatt dargestellt, um den Transfer des enthaltenen Wissens zu fördern – ähnlich einem Handout für den schnellen Überblick.
Auf welche Herausforderung reagiert Ihre Maßnahme?
In unserem Projekt „D^3“ haben wir einen Punkt erreicht, an dem es darum ging, unsere Ergebnisse nachhaltig zu sichern und in die Hochschule zu tragen, damit sie nach Ende der Laufzeit nicht verpuffen. Inspiriert von den Course Concepts aus dem Erasmus+ Projekt „coReflect@maths“ haben wir für unsere Hochschule ein eigenes Format entwickelt: die Transferkarten. Sie haben die Funktion, Wissen zu bündeln, es anschaulich und leicht zugänglich zu machen und zum Austausch über die Inhalte anzuregen. Gleichzeitig machen sie die Vielfalt an Methoden und Ideen sichtbar, die an der eigenen Hochschule bereits vorhanden sind – von Tools über Lehr-Lern-Szenarien bis hin zu Prüfungsformaten. Die Frage, wie Wissen weitergegeben werden kann, betrifft uns alle an der Hochschule – und genau hier setzen die Transferkarten an.
Über das Projekt
Das Projekt „Digitalisierung Didaktisch Denken“ (kurz: „D^3“) hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Entwicklung digitaler Lehr-Lerninhalte mit unterstützenden Strukturen für digitale Lehre an der Hochschule Esslingen zu verknüpfen. Ziel war es, die Digitalisierung didaktisch fundiert in die Lehrveranstaltungsentwicklung zu integrieren und so die Lehrqualität zu verbessern. Dabei wurden sowohl die selbstgesteuerte Wissensaneignung in Grundlagenfächern als auch Problemlösekompetenzen und forschendes Lernen in anwendungsbezogenen Fächern gefördert. Ausgewählte Module wurden didaktisch überarbeitet und durch digitale Elemente ergänzt. Ein begleitender Prozess mit didaktischer und technischer Unterstützung sowie eine empirische Begleitforschung sicherten die Umsetzung und Weiterentwicklung der Maßnahmen.
Wer kann Ihre Maßnahme ebenfalls nutzen?
Die Transferkarten sind für alle interessant, die an einer Hochschule arbeiten bzw. lehren und neue didaktische Impulse sowie Einblicke in die Arbeit anderer gewinnen möchten. Welche Inhalte man mit den Karten vermittelt, hängt natürlich von ihrer thematischen Ausgestaltung ab. Grundsätzlich eignet sich das Format für eine große Bandbreite an Themen und Einsatzbereichen. Das Übertragungspotenzial ist entsprechend hoch – auch über den eigenen Fachbereich hinaus. Bestimmte Programme oder Tools, die in den Transferkarten beschrieben werden, sind beispielsweise interdisziplinär einsetzbar. Andere Ansätze lassen sich eher indirekt übertragen und müssen zunächst abstrahiert und an den neuen Kontext angepasst werden. Ein Beispiel dafür ist unser matlas, eine digitale Mathematik-Wissenslandkarte, die abgewandelt auch in anderen Fächern Anwendung finden kann.
Welchen Rat geben Sie Nachnutzenden für die Umsetzung?
Ich würde empfehlen, die Nutzung der Transferkarten möglichst einfach zu halten. Wir haben intensiv darüber diskutiert, ob eine einzelne DIN-A4-Seite tatsächlich ausreicht. Gerade für Wissenschaftler:innen, die tief in ihren Themen stecken, ist eine solche Begrenzung oft herausfordernd. Dennoch sind wir dabei geblieben, da das Format niedrigschwellig sein soll.
Es genügt, die zentralen Punkte darzustellen. Die Transferkarten sollen ja nur eine Einstiegshilfe sein und der vertiefende Austausch ergibt sich meist von selbst, wenn erst einmal das Interesse geweckt ist. Für umfangreichere Themen bietet es sich an, diese in mehrere Teilaspekte und entsprechend mehrere Transferkarten aufzuteilen.
Darüber hinaus ist es wichtig, den praktischen Nutzen der Transferkarten zu verdeutlichen und die Lehrenden bei der Anwendung zu unterstützen – etwa durch bilateralen Austausch oder didaktische Fachberatung. Im Rahmen unseres Projekts haben wir zudem Hospitationen in Lehrveranstaltungen angeboten, um Lehrende dabei zu unterstützen, geeignete Inhalte für Transferkarten zu identifizieren. Viele gingen zunächst davon aus, besonders ausgefallene Themen abbilden zu müssen, obwohl häufig schon das interessant ist, was tagtäglich in der Lehre Anwendung findet.
Zur Person
Viktoria Lehmann
Viktoria Lehmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Didaktik an der Hochschule Ess-lingen und war im von uns geförderten Projekt „D^3“ tätig.
Was war Ihr wichtigstes Learning in Bezug auf die Maßnahme?
Für mich war es besonders spannend zu sehen, wie viel implizites didaktisches Wissen vorliegt. Dieses mithilfe der Transferkarten sichtbar und explizit zu machen, war ein schöner Prozess. Gleichzeitig war es herausfordernd, den unterschiedlichen fachlichen Hintergründen der Lehrenden gerecht zu werden und eine gemeinsame Sprache zu finden, die die Inhalte verständlich vermittelt. Zudem haben wir die Erfahrung gemacht, dass der Prozess deutlich schneller voranschreitet, wenn ausreichend Good- und Best-Practice-Beispiele zur Verfügung stehen. Sie helfen potenziellen Nutzer:innen, eine Vorstellung vom Format zu entwickeln. So wurden anfängliche Fragezeichen schnell beseitigt und die Transferkarten gut angenommen.
Ein weiterer Rat wäre, die Transferkarten nicht als abgeschlossenes Produkt zu verstehen, sondern als ein dynamisches Tool, das kontinuierlich weiterentwickelt und an neue Anforderungen angepasst werden kann.
Die komplette Maßnahme finden Sie im Transferkiosk.
Der Transferkiosk
Wissen teilen. Inspiration finden. Lehre gemeinsam verändern.
Der Transferkiosk ist unsere Plattform für neue Ideen und Ansätze in Lehre und Studium. Wir wollen damit dazu beitragen, die Hochschullehre zu innovieren und zu gestalten. Der Transferkiosk ermöglicht Einblicke in alle Projekte, die wir fördern. Nutzer:innen können dort ihre Learnings aus umgesetzten Maßnahmen teilen, sich von innovativen Lehrprojekten inspirieren lassen und Kontakt zu den Projekten aufnehmen.
Mehr erfahren Sie im Transferkiosk und im Erklärvideo.
Zur Autorin
Raika Selle
Volontärin Kommunikation
Raika Selle ist Volontärin im Team Kommunikation der Stiftung Innovation in der Hochschullehre.