Fünf Transfer-Fragen: Laterale Führung im Projekt
Ein Beitrag von Raika Selle
Wie würden Sie Ihre Maßnahme in einem Satz beschreiben?
Die Maßnahme zeigt, wie Projektkoordinator:innen ohne formale Weisungsbefugnis Projekte steuern können, indem sie auf Vertrauen, Kommunikation und strategische Beziehungsarbeit setzen.
Auf welche Herausforderung reagiert Ihre Maßnahme?
Projektkoordinator:innen in Hochschulentwicklungsprojekten tragen maßgebliche Verantwortung für den Projekterfolg, verfügen jedoch in der Regel über keine formale Weisungsbefugnis gegenüber Teilprojekten oder anderen Projektmitarbeitenden. Häufig sind sie als wissenschaftliche Mitarbeiter:innen an einer Professur oder im Didaktikzentrum angestellt, während die formale Projektleitung auf Ebene der Hochschulleitung angesiedelt ist, wo das Projekt nur eine von vielen Aufgaben darstellt. Projektleitung und -koordination sind damit nicht nur hierarchisch, sondern auch organisatorisch voneinander getrennt, was eine gemeinsame Projektführung erschwert. Gleichzeitig werden auch die Teilprojekte häufig von Professor:innen geleitet, gegenüber denen Koordinator:innen Termine einfordern, Ergebnisse bündeln und auch kritisches Feedback geben müssen. Dies alles erzeugt strukturelle Spannungen und erfordert andere Strategien als klassische Führungsmodelle.
Wer kann Ihre Maßnahme ebenfalls nutzen?
Die Maßnahme ist besonders interessant für Projektleitungen und Projektkoordinator:innen, die ihre Zusammenarbeit verbessern und potenziellen Hindernissen durch formale oder hierarchische Strukturen begegnen möchten. Sie zeigt, wie die Rolle der Projektkoordination trotz fehlender Weisungsbefugnis effektiv gestaltet werden kann. Dabei kommt laterale Führung zum Einsatz – also das Steuern von Mitarbeitenden ohne formale Autorität durch Kommunikation, Überzeugung und Kooperation, um gemeinsame Ziele zu erreichen.
Zur Person
Lorenz Mrohs
Lorenz Mrohs ist wissenschaftlicher Projektkoordinator im von uns geförderten Projekt „BaKuLe“ an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Zuvor war er im Vorgängerprojekt „DiKuLe“ tätig.
Welchen Rat geben Sie Nachnutzenden für die Umsetzung?
Erstens: Legitimation durch die Projektleitung. Diese muss die Koordinationsrolle aktiv stärken, bei Konflikten Rückendeckung geben und gemeinsam mit der Koordination nach außen auftreten. Zweitens: Beziehungsarbeit. Laterale Führung funktioniert über Vertrauen, nicht über Hierarchie. Regelmäßiger Kontakt zu allen Beteiligten, Interesse an deren Arbeit und Verständnis für deren Rahmenbedingungen schaffen eine Basis für Zusammenarbeit. Drittens: Mehrwert demonstrieren. Die Koordination sollte einen erkennbaren Beitrag leisten – etwa durch Überblick über das Gesamtprojekt, administrative Entlastung oder das Identifizieren von Synergien zwischen Teilprojekten.
Aber wirklich klare Erfolgsindikatoren für laterale Führung zu benennen, finde ich schwierig. Universitäten sind keine einheitlichen Organisationen: Arbeitskulturen unterscheiden sich zwischen Fachbereichen teilweise erheblich, und was in einem Teilprojekt als hilfreiche Koordination wahrgenommen wird, gilt im nächsten als Einmischung. Auch die Größe des Projekts und die Frage, wie homogen oder heterogen die Teilprojekte aufgestellt sind, beeinflusst erheblich, wie laterale Führung praktiziert werden kann.
Über das Projekt
Das von uns geförderte Projekt „BaKuLe“ (Bamberger Kulturen der Lehre gemeinsam gestalten) zielt darauf ab, die Lehrkultur der Universität Bamberg in einem partizipativen, bottom-up-Prozess gemeinsam mit Studierenden, Lehrenden und Verwaltung neu zu gestalten. Aufbauend auf dem Vorgängerprojekt „DiKuLe“ entwickelt es in strategischen Arbeitspaketen konkrete Maßnahmen wie innovative Lernräume, stärkere Praxisintegration, neue Onboarding-Formate, Future Skills, Co-Creation-Spaces oder ein Forum Lehre als Austauschplattform. So initiiert das Projekt einen nachhaltigen organisationskulturellen Transformationsprozess hin zu einer zukunftsorientierten Lehrkultur.
Was war Ihr wichtigstes Learning in Bezug auf die Maßnahme?
Ohne aktive Unterstützung der Projektleitung ist laterale Führung kaum möglich; diese Rückendeckung sollte zu Beginn gesichert und im weiteren Verlauf gepflegt werden. Besonders im zum Teil noch sehr hierarchischen Gefüge der Hochschule ist der Aufbau tragfähiger Arbeitsbeziehungen zu den Teilprojektleitungen herausfordernd. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter steht man vor der Situation, beispielsweise Professor:innen gegenüber Termine einzufordern oder kritisches Feedback zu geben. Das kann dazu führen, dass die Rollen sich umkehren und man sich rechtfertigen muss, statt zu koordinieren. Klarheit und Transparenz über die eigene Rolle und deren Grenzen sind daher wirksamer als der Versuch, Autorität zu simulieren.
Die komplette Maßnahme finden Sie im Transferkiosk.
Der Transferkiosk
Wissen teilen. Inspiration finden. Lehre gemeinsam verändern.
Der Transferkiosk ist unsere Plattform für neue Ideen und Ansätze in Lehre und Studium. Wir wollen damit dazu beitragen, die Hochschullehre zu innovieren und zu gestalten. Der Transferkiosk ermöglicht Einblicke in alle Projekte, die wir fördern. Nutzer:innen können dort ihre Learnings aus umgesetzten Maßnahmen teilen, sich von innovativen Lehrprojekten inspirieren lassen und Kontakt zu den Projekten aufnehmen.
Mehr erfahren Sie im Transferkiosk und im Erklärvideo.
Zur Autorin
Raika Selle
Volontärin Kommunikation
Raika Selle ist Volontärin im Team Kommunikation der Stiftung Innovation in der Hochschullehre.