Ein Hub für AI Literacy
Ein Beitrag von Greta Lührs
Sie arbeiten daran, KI-Kompetenzen an der Universität umfassend zu verankern. Wie gehen Sie vor?
Prof. Dr. Dana-Kristin Mah: Mit dem Projekt „Leuphana AI Campus“ entwickeln wir eine umfassende AI Literacy Education, die Modellcharakter haben soll. Das Besondere ist der ganzheitliche Ansatz: Wir arbeiten interdisziplinär, beziehen alle fünf Fakultäten der Leuphana, zentrale Einrichtungen, interne und externe Stakeholder mit ein. Unsere Mission: Wir möchten Studierende befähigen, KI zu verstehen, verantwortungsvoll anzuwenden und als mündige Gestalter:innen der Zukunft zu agieren. Außerdem möchten wir KI in die Lehre integrieren, einerseits als Lerngegenstand und andererseits als didaktisches Werkzeug. Und schließlich wollen wir den ganzen Prozess transparent gestalten, das heißt, unsere Ansätze sind wissenschaftsbasiert und ethisch reflektiert. Wir forschen zu Fragen wie: Wie ist der Einsatz von KI für das Lernen und Lehren wirklich wirksam und förderlich? Das Projekt stößt große Veränderungen an der Leuphana an, etwa den Aufbau eines verpflichtenden KI-Moduls für alle Bachelor-Studierenden oder das neue Nebenfach „Artificial Intelligence“. Das gibt uns die Gelegenheit, KI in allen Phasen des Studiums stärker zu verankern.
Dafür arbeiten Sie an einem Hub – was genau ist das?
Dr. Isabell Sluka: Der AI Literacy Hub fungiert als Schnittstelle zwischen den Teilprojekten, als Ort des Austausches, der Diskussion und Zusammenarbeit. Außerdem ist der Hub ein Experimentier- und Entwicklungsraum für AI Literacy Education. Die Experimentier- und Lernwerkstatt richtet sich primär an Studierende und soll ihnen einen geschützten Raum bieten, in dem sie an eigenen KI-Projekten arbeiten, Tools ausprobieren und auch mal an Grenzen stoßen können. Man darf nicht unterschätzen, wie sehr dieses Thema viele herausfordert – einerseits aufgrund technischer Anforderungen, andererseits emotional, weil es Unsicherheiten auslöst. Da wollen wir mit dem Hub unterstützend wirken. Ein weiterer Teil des Hubs ist die Didaktikwerkstatt, in der es um Fragen rund um KI in der Lehre, beim Lernen und Prüfen geht. Dort wollen wir neue experimentelle Lehr-Lernformate und Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrende entwickeln. Eine Funktion, die besonders in der späteren Projektphase wichtig wird, ist die des Hubs als Transferwerkzeug. Da wird es dann darum gehen, die erarbeiteten Ergebnisse weiterzutragen, innerhalb der Leuphana und darüber hinaus.
Das Projekt auf dem U:FF
„Leuphana AI Campus“ wird im Rahmen der Ausschreibung „Lehrarchitektur“ von 2025 bis 2029 von uns gefördert. Am 22. Juni um 11:25 Uhr stellt das Projektteam den AI Literacy Hub auf der digitalen „Connected University“-Stage des University:Future Festivals vor. Mehr Infos und Tickets finden Sie hier.
Ist der Hub mehr als physischer oder digitaler Ort zu verstehen?
Sluka: Wir möchten sowohl einen physischen Raum auf dem Campus etablieren als auch virtuelle Angebote realisieren. Uns ist es wichtig, physisch wahrnehmbar zu sein auf dem Campus, gerade weil es an der Leuphana schon viele spannende Vorgängerprojekte gibt sowie Initiativen, die sich mit KI befassen und mit denen wir Berührungspunkte haben. Ein Anspruch des Hubs ist es, Synergien auszuloten und Aktivitäten zu bündeln.
Mah: In den Experimentierstätten des Hubs soll das kreative Ausprobieren von KI im Vordergrund stehen und es sollen dort auch entsprechende Veranstaltungen stattfinden. Studierende sollen dort nicht erklärt bekommen, was KI ist, sondern können händisch arbeiten, zum Beispiel mit kleinen Lehrrobotern oder Programmierübungen. Insofern soll der Ort auch eine Art Schaufenstercharakter haben, an dem man vorbeikommt und neugierig wird, mal reinzuschauen. Viele Studierende nutzen KI schon, aber andere sind noch ein bisschen vorsichtig, haben Berührungsängste und kennen die Breite der verschiedenen KI-Anwendungen noch nicht.
Zur Person
Prof. Dr. Dana-Kristin Mah
Prof. Dr. Dana-Kristin Mah ist Juniorprofessorin für Digitales Lehren und Lernen am Institut für Bildungswissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg.
Zur Person
Dr. Isabell Sluka
Dr. Isabell Sluka ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bildungswissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg.
Eine große Angst in Bezug auf KI betrifft De-Skilling, also den Verlust von Fähigkeiten durch KI-Einsatz. Wie gehen Sie damit um?
Mah: Es gibt eine große Debatte um De-Skilling, No-Skilling, Skill-Skipping, Up-Skilling und New-Skilling und die sollten wir auch führen, gerade wenn es darum geht, wie Erstsemesterstudierende an der Uni ankommen. Wissenschaftliches Arbeiten ist zum Beispiel ein Thema, das wenig in der Schule behandelt wird und erst in der Hochschule gelernt wird. Und wenn da durch No-Skilling oder Skill-Skipping der Kompetenzaufbau gar nicht erst stattfindet, weil Studierende von Anfang an KI-basierte Tools nutzen, um wissenschaftliche Texte zu schreiben und die wissenschaftliche Auseinandersetzung wegfällt, ist das ein Problem. Und da gehört es auch zur AI Literacy, abzuwägen, wo KI sinnvoll eingesetzt werden kann und wo wir sie auch bewusst weglassen sollten, damit Kulturpraktiken erhalten bleiben.
Wie gehen Sie damit um, dass die verschiedenen Fächer und Personen sehr unterschiedliche Vorkenntnisse und Anforderungen im Bereich KI haben?
Sluka: Unsere Zielgruppen sind einerseits Studierende, andererseits Lehrende, eventuell noch Mitarbeitende in der Verwaltung und die haben sehr unterschiedliche Bedarfe und Erwartungen. Allen gerecht zu werden, ist eine Herausforderung. Wenn wir ein Format planen, bei dem Studierende und Lehrende gemeinsam über den Einsatz von KI in Studium und Lehre nachdenken sollen, dann bringen einige zum Beispiel viele Programmierkenntnisse mit, andere gar keine. Da braucht es teilweise vorbereitende Angebote, um das aufzufangen. Solche Fragen beschäftigen uns gerade sehr. Häufig entsteht aber auch der Eindruck, man müsse vor allem technische Kompetenzen haben, um sich mit KI zu beschäftigen. Dabei sind andere Perspektiven, etwa aus den Kulturwissenschaften, und die Fähigkeit zur kritischen Reflexion ebenso wertvoll auf diesem Gebiet.
Zur Autorin
Greta Lührs
Kommunikationsmanagerin
Greta Lührs ist Kommunikationsmanagerin der Stiftung Innovation in der Hochschullehre.