Studentische Impulse geben
Ein Beitrag von Greta Lührs
Für Lehre begeistert sich Sarah Becker schon seit ihrem Schulpraktikum in einer Berufsschule. Dass sie keine Lehrerin werden wollte, wurde ihr dabei schnell klar, doch das Interesse für die Frage, was gute Lehre ausmacht, blieb. Nun ist Becker seit Juli erstes studentisches Mitglied in unserem Wissenschaftlichen Beirat und vertritt Studierendeninteressen in der strategischen Ausrichtung unserer Stiftung.
Mitreden von Anfang an
„Es war ein Sprung ins kalte Wasser, aber sehr erfrischend“, beschreibt Sarah Becker ihre Erfahrungen. Die Master-Studentin an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) freut sich besonders darauf, die studentische Perspektive einzubringen. „Ich konnte direkt schon in meiner ersten Sitzung Erfahrungen aus meiner Arbeit zur Digitalisierung der Lehre teilen“, erzählt sie.
Becker musste sich als Erstakademikerin in das System Hochschule erst einmal einfinden. „Ich habe immer schon gerne Neues gelernt und mich sehr aufs Studieren gefreut“, erinnert sie sich. Ins Studium gestartet ist sie mit Evangelischer Theologie und Latein, letzteres wechselte sie im fünften Semester gegen Philosophie. Den Master absolviert sie derzeit in Philosophie mit einer Spezialisierung auf Technikphilosophie und Ethik.
Kleine Änderungen – große Wirkung
Zudem arbeitet sie als studentische Mitarbeiterin beim Centrum für Hochschulentwicklung im Projekt Hochschulforum Digitalisierung. Zuvor war sie sieben Jahre in Teilzeit beim Zentrum für Wissenschaftsdidaktik der RUB im Bereich E-Learning tätig. Sie hat viel Erfahrung gesammelt, Lehrende bei der Digitalisierung ihrer Lehre zu unterstützen. „Mit Lehrenden zusammenzuarbeiten hat mir immer viel Freude gemacht, weil ich die Möglichkeit bekam, studentische Bedürfnisse und Wünsche im Bereich digitale Lehre einfließen zu lassen“, so Becker. Durch ihre Arbeit an digitalen Lehrformaten sei ihr aufgefallen, wie kleine Veränderungen schon Verbesserungen für Studierende bewirken können, etwa wenn Deadlines in digitalen Kursen verlässlich und gut sichtbar kommuniziert oder Lernfortschritte durch Fortschrittsbalken nachvollziehbar gemacht werden.
Und sie konnte auch an großen Projekten mitarbeiten. „In einem solchen Projekt haben wir eine Grundveranstaltung in einen sogenannten Inverted Classroom umgebaut mit interaktiven Videos, Wiederholungstests und dergleichen. Der Kurs ist sehr gut von den Studierenden bewertet worden, da habe ich gemerkt, wie schön es ist, für andere Studierende etwas zu verbessern.“
Mit dieser Motivation ist Becker auch in den Wissenschaftlichen Beirat gekommen. Zu oft würde über Studierende gesprochen, anstatt sie selbst mitsprechen zu lassen, findet Becker. Über gute und innovative Lehre könne man nicht sinnvoll sprechen und sie auch nicht gestalten, ohne Studierende einzubeziehen, sagt sie. Schließlich seien sie diejenigen, die Lehre unmittelbar erfahren und von den getroffenen Entscheidungen betroffen sind.
Die 28-jährige wünscht sich in der Debatte um studentische Partizipation auch noch mehr Bewusstsein für die Lebensrealität von Studierenden. Für sie sei es eine bewusste Entscheidung, sich zu engagieren. Damit gehe jedoch auch eine Abwägung einher: „Mir ist bewusst, dass mein Engagement Zeit beansprucht und sich dadurch auch mein Studium verlängert. Ich nehme in Kauf, Studium, Nebenjob und Engagement länger parallel miteinander vereinbaren zu müssen. Trotzdem habe ich mich bewusst dafür entschieden, weil es mir wichtig ist, mich zu beteiligen und Veränderungen mitzugestalten.“
Zur Person
Sarah Becker
Studentisches Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat
Studierende einbinden
Im Beirat sei sie herzlich aufgenommen worden und sie habe viel Wertschätzung für ihre eingebrachten Punkte erfahren. Der unabhängige, externe Wissenschaftliche Beirat mit international ausgewiesenen Expert:innen berät die Gremien der Stiftung, einschließlich des Bund-Länder-Gremiums, zu strategischen Fragen. „Studierende haben nun mal einen anderen Blickwinkel auf Lehr-Lern-Szenarien als Lehrende und in der wichtigen Diskussion um die Innovation von Lehre bin ich sehr froh, dass wir mit Sarah Becker nun diese Perspektive in unsere Diskussionen einbringen“, sagt der Sprecher des Beirats Prof. Dr. Thomas Hoffmeister. „Die StIL hat auch bisher schon sehr viel Wert auf das Votum von Studierenden gelegt, die in den Begutachtungsprozessen für zu fördernde Projekte beteiligt sind, und so ist es nur ein logischer weiterer Schritt, dass das wichtigste Beratungsgremium der StIL nun auch die studentische Perspektive umfasst.“
Becker bringt neben ihrer Expertise im Bereich digitale Lehre auch viel Know-How zum Thema Künstliche Intelligenz mit und hat dazu bereits mehrere Artikel veröffentlicht. Als Philosophie-Studentin befasst sie sich auch dezidiert mit den ethischen Fragen, die sich rund um KI stellen. „Sie wird zu diesem aktuellen Thema in der Lehre sicherlich gute und neue Positionen in den Beirat einbringen“, so Hoffmeister.
Und wenn sie könnte, würde Becker noch mehrere Studiengänge studieren, „ich kann mich für so viele Themengebiete begeistern.“ Nach ihrem Master will sie eine Promotion anstreben. Kann sie sich auch vorstellen, selbst zu lehren? „Ich habe inzwischen so viele coole Sachen gesehen, die man in der Lehre machen kann“, sagt Becker. „Es reizt mich, das selbst einmal auszuprobieren.“
Zur Autorin
Greta Lührs
Kommunikationsmanagerin
Greta Lührs ist Kommunikationsmanagerin der Stiftung Innovation in der Hochschullehre.