Wenn Lernen zum Erfahrungsraum wird
Ein Beitrag von Stephanie Wolf, Jules Dahrendorf und Anna-Lena Öhmann
Manchmal beginnt Lernen nicht mit einer Antwort, sondern mit einer Erfahrung: mit Ausprobieren, einem Perspektivwechsel, einer Irritation oder einem Gespräch, das etwas in Bewegung setzt. Experience matters, weil solche Erfahrungen prägen, wie wir lernen, lehren und Hochschulen gestalten. Genau hier setzt die TURN Conference 2026 an, die am 24. und 25. September 2026 an der Bauhaus-Universität Weimar stattfindet. Unter dem Motto „Experiential TURN – Erfahrungsräume für zukunftsfähiges Lernen“ lädt sie dazu ein, Hochschullehre gemeinsam neu zu denken.
Erfahrung ist mehr als Ausprobieren
Was mit experiential gemeint ist, verdient einen genaueren Blick. Im Mittelpunkt steht das Erfahrungslernen: Wissen wächst aus konkreten Erlebnissen, gewinnt durch Reflexion an Tiefe, wird theoretisch eingeordnet und durch erneutes Ausprobieren weiterentwickelt. Didaktisch eröffnet dies weit mehr als aktivierende Methoden. Die TURN26 richtet den Blick darauf, wie Lehren und Lernen so gestaltet werden können, dass Kopf, Herz und Sinne gleichermaßen angesprochen werden: Der Kopf steht für das Weiterdenken von Hochschullehre, das Herz für Haltung, Motivation und Verantwortung, die Sinne für das Erleben selbst – wahrnehmen, ausprobieren, reflektieren und gemeinsam Neues entwickeln.
Warum Weimar dafür ein guter Ort ist
Weimar ist für diese Fragen nicht nur Veranstaltungsort, sondern Resonanzraum – ein Ort, an dem erfahrungsbasiertes Lernen nicht Konzept, sondern gelebte Praxis ist. Jules Dahrendorf, studentische Mitarbeiter:in im TURN26-Team, beschreibt, wie sich das im Studienalltag anfühlt:
„Das TURN26-Motto ‚experiential learning‘ passt für mich zur Bauhaus-Universität Weimar, weil in meinem Studium Projekte einen essentiellen Teil einnehmen. Indem ich direkt anwende, was mir ansonsten nur vorgetragen worden wäre, fängt während des Lernens schon ein Reflexionsprozess an: ‚Ist dieser Weg wirklich der Beste oder geht es auch anders? Was könnte ich leicht anpassen, um andere Ergebnisse zu erhalten?‘ Dieses Prinzip schult mich Dinge zu hinterfragen und immer selbstständiger zu arbeiten.“
Erfahrungsräume brauchen Orte, Formate und Begegnungen, die Beteiligung ermöglichen. Die TURN26 fragt, wie Studierende, Lehrende, Mitarbeitende aus Didaktik und Lehrsupport, Hochschulleitungen sowie gesellschaftliche Akteur:innen gemeinsam an zukunftsfähiger Lehre arbeiten können. Was das institutionell bedeutet, fasst Präsident Prof. Peter Benz zusammen:
„Experiential Learning ist für die Bauhaus-Universität Weimar kein didaktisches Konzept von außen, sondern Teil unseres Selbstverständnisses: Entwerfen, Reflektieren und Gestalten mit dem Lernerlebnis als Kernkriterium. Die TURN26 gibt uns die Möglichkeit, diese Praxis in den Dialog mit Hochschulen aus ganz Deutschland zu bringen – und gemeinsam zu fragen, wie wir Erfahrungsräume schaffen, die Lernen noch wirksamer machen – idealerweise auch über die Hochschulen hinaus.“
TURN Conference 2026: Einladung zur Teilnahme
Zum fünften Mal findet am 24. und 25. September 2026 die TURN Conference statt. Diesmal unter dem Motto „Experiential TURN – Erfahrungsräume für zukunftsfähiges Lernen“.
Wir laden Studierende, Lehrende, Mitarbeitende aus Didaktik und Lehrsupport und Hochschulleitungen sowie gesellschaftliche Akteur:innen ein, die TURN26 in Weimar mitzuerleben. Das Programm ist online, die Anmeldung geöffnet. Die Teilnahme ist kostenfrei; da die Plätze begrenzt sind, empfehlen wir eine zeitnahe Anmeldung. Alle Informationen zum Programm finden Sie auf der offiziellen TURN26-Webseite.
Vom Call zum Programm
Die Resonanz auf den Call war beträchtlich: „Die Qualität und Vielfalt der eingereichten Beiträge waren so groß, dass wir problemlos eine ganze TURN-Woche hätten gestalten können“, sagt Dr. Andreas Mai, Leiter der Universitätsentwicklung. 412 Einreichungen sind eingegangen – 54 davon von Studierenden. Diese Reaktion zeigt, wie groß das Interesse an Fragen des erfahrungsbasierten Lernens ist und wie wichtig es bleibt, studentische Perspektiven sichtbar einzubinden. „Jeder Beitrag wurde jeweils von Studierenden und Mitarbeitenden gelesen und diskutiert, genau daraus ist ein Programm entstanden, das Vielfalt nicht nur abbildet, sondern produktiv macht“, betont Mai.
Aus dem Reviewprozess ist ein Programm entstanden, das unterschiedliche Perspektiven miteinander in Beziehung setzt: Studentische Mitgestaltung, Learning Experience Design, der Umgang mit KI in Studium und Lehre sowie die Frage, wie Reflexion zu einem wirksamen Bestandteil erfahrungsbasierter Lernprozesse werden kann. Die TURN26 möchte für ihr Programm nicht nur Beiträge versammeln, sondern Erfahrungsräume kuratieren: in Workshops, Diskussionen, Begegnungen und Formaten, die Austausch, Lehrpraxis und Hochschulentwicklung verbinden. Wichtige Impulse setzen unter anderem die Keynotes von Nick Tyler, Professor am University College London und Ira Helten, studentische Vertreterin der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder. Die TURN26 lädt dazu ein, Hochschullehre neu zu betrachten: als etwas, das gedacht, erlebt und gemeinsam gestaltet wird. Denn Experience matters, wenn aus gemeinsam gemachten Erfahrungen gemeinsames Lernen entsteht.
Zu den Autor:innen
Stephanie Wolf
Stephanie Wolf ist für die Programmentwicklung und -begleitung der TURN Conference ’26 zuständig.
Jules Dahrendorf
Jules Dahrendorf kümmert sich bei der TURN Conference ’26 um die Studentische Partizipation.
Anna-Lena Öhmann
Anna-Lena Öhmann ist für die Koordination und das Projektmanagement der TURN Conference ’26 verantwortlich.